Bericht Networking-Tag 2015

Werte im Fokus – wofür will ich leben

«Werte? Mir doch egal…». Ein salopper Titel für ein anspruchsvolles Thema, das die FHS Alumni der Fachhochschule St.Gallen (FHS) über ihren Networking-Tag gesetzt haben. Wissenschaftler, Unternehmer, Divisionär und Kabarettist sowie der Friedensstifter Jakob Kellenberger erzählten freimütig über die ihnen persönlich wichtigen Werte und über die Bedeutung von Werten im Leben.

Viele der über 700 Teilnehmenden gaben ihre wichtigsten Werte bekannt: Respekt, Vertrauen, Ehrlichkeit, Familie und Zuverlässigkeit standen in den Resultaten der Kurzumfrage zuoberst.

Werte und Ökonomie
Mit Mathias Binswanger nahm sich einer der bedeutendsten Wirtschaftswissenschaftler der Schweiz des Themas Werte und Wirtschaft an. Der freie Markt, sei ungeliebt, weil er keine grossen Gewinne zulasse, sagte der als Querdenker bekannte Wissenschaftler. Unternehmer strebten nach Marktbeherrschung, welche hohe Gewinne ermögliche. Der dynamische Markt, wie er heute verbreitet ist, entmachte allerdings den Konsumenten als dominante Figur des Marktes. Ihm werde suggeriert, was er brauche und das gleich in solcher Vielfalt angeboten, dass er vom unüberschaubaren Angebot verunsichert werde. Es brauche deshalb Vorgaben der Wirtschaftsethik und der Nachhaltigkeit, postulierte Binswanger.

Jugend besser als ihr Ruf
Die Werte und die Jugend war das Thema, das der Hausmann der Nation und Kabarett-Preisträger Bänz Friedli in einem fulminanten Plädoyer für die Jugend darlegte. 98 Prozent der Jugendlichen gingen sorgfältig und achtsam miteinander um. Wenn die Jungen zu brav seien schimpfe man über ihre apolitische Haltung, gingen sie aber auf die Strasse würden sie zu kriminellen Chaoten gestempelt. Friedlis Bilanz: «Das Leben für junge Menschen ist schwieriger geworden». Und er spielte den Ball den Erwachsenen zu: «Manchmal verstehen wir die Jungen nicht, und ziehen daraus die falschen Schlüsse».

Drei Jugendliche versuchten eine Replik auf die Ausführungen des «Jugendverstehers», wie Moderatorin Sonja Hasler Bänz Friedli bezeichnete. Die Stellungnahmen zeigten, dass Friedli die Jungen weitgehend versteht.

Werte und Demokratie
Der Spitzendiplomat und langjährige Präsident des Internationalen Roten Kreuzes, Jakob Kellenberger, berichtete von seiner Arbeit an den Brandherden der Welt, wo es galt, dem humanitären Völkerrecht mit Argumenten Nachachtung zu verschaffen. Das sei oft schwierig gewesen, weil gegensätzliche Werte der Parteien einer Lösung entgegengestanden.
Wenn es um Werte und Demokratie gehe, so Kellenberger, lohne es sich, die Grundrechte in den Verfassungen von Demokratien zu studieren.

Unternehmer in der Wertediskussion
In einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von Sonja Hasler ging es um die Werte in Führungspositionen. Am Tisch: Die Sozialunternehmerin Sina Trinkwalder, der Unternehmer und FC St.Gallen-Präsident Dölf Früh sowie Brigadier René Wellinger. Das Überraschendste dieser Diskussionsrunde: Am Schluss fanden die Sozialunternehmerin mit einer hierarchielosen Textilfirma und der Panzer- und Artillerie-Kommandant der hierarchisch aufgebauten Armee manche Gemeinsamkeiten.

Die Werte der Podiumsrunde: Sina Trinkwalder hebt die Pflege der Würde hervor; René Wellinger setzt auf Leadership und Berechenbarkeit; Dölf Früh hat «die Liebe als Basiswert, aus dem Wertschätzung resultiert».
Als Überraschungsgast tauchte zum Schluss Pit, der Präsident des MC Hells Angels Riverside auf, der von Stilexperte Jeroen von Rooijen beurteilt wurde.

Netzwerken am Abend
Die Networking-Party ermöglichte, die Wertediskussion fortzusetzen und das in Wirtschaft und Gesellschaft unerlässliche Netzwerken zu pflegen. Jeroen von Rooijen bot an der Party einen Style-Check an. Dinner, Weindegustation, Cocktail-Lounge und Casinotische ergänzten das abendliche Angebot.